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12/01/2017| Hinter dem "Winterblues" kann eine typische Depression stecken.

 

Viele kennen das: Sie fühlen sich in der kälteren und dunkleren Jahreszeit antriebslos oder bedrückt. Rund 200.000 Menschen in Österreich leiden alljährlich an der Herbst-Winter-Depression. Das allein muss noch keine Erkrankung sein, wichtig ist allerdings zu unterscheiden, ob es sich um eine sogenannte saisonale Depression oder um eine schwerer verlaufende typische Depression handelt.

Die Winterdepression ist eine Unterform der typischen Depression, die nur zu dieser Jahreszeit auftritt. Hauptursache sind die kürzeren, düsteren Tage. Denn das Tageslicht spielt eine wesentliche Rolle für die Gemütslage. Ist es dunkel, produziert der Körper Melatonin, ein Hormon, das müde macht und nachts für guten Schlaf sorgt. Licht dagegen, das über die Augen aufgenommen wird, unterdrückt die Melatonin-Ausschüttung. Wird es nun an trüben Wintertagen in der Früh gar nicht so richtig hell und spielt sich das Leben vor allem im Haus ab, dann tut Melatonin auch tagsüber seine Wirkung, macht träge und antriebslos.

Erste Anzeichen für das saisonale Phänomen können Heißhunger, Gewichtszunahme und ein stärkeres Schlafbedürfnis sein. Dies sind auch die wesentlichen Unterschiede zu anderen Depressionsformen, bei denen Erkrankte meist appetitlos sind und keinen Schlaf finden. Außerdem treten die Symptome der typischen Depression unabhängig von den Jahreszeiten auf.

Bei der Winterdepression spielt das Licht auch eine entscheidende Rolle bei der Behandlung. Am besten wirkt dabei das Tageslicht, auch an trüben Tagen. Denn auch beleuchtete Räumen erreichen nicht die Helligkeit von Tageslicht. Sich an der frischen Luft zu bewegen und jeden Tag mindestens eine halbe Stunde hinauszugehen, ist das beste Mittel gegen trübe Wintergedanken. Es muss gar nicht sonnig sein, selbst ein verhangener Tag bietet genug Licht, um die Melatoninproduktion zu bremsen. Denn auch wenn das Auge kaum Unterschiede wahrnimmt, bekommt es draußen um ein Vielfaches mehr Licht ab als im Zimmer.

Auf diesem Effekt basiert auch die Wirkung von sogenannten Tageslichtlampen oder Lichtduschen, die Besserung bei Winterblues versprechen. Sie wirken aktivierend und können die Stimmung heben. Allerdings müssen sie hell genug sein: Mindestens 3.000 Lux sollten es sein, noch besser sind 10.000 Lux. Sogenannte Wellness-Lampen erreichen diesen Wert oft nicht.

Licht allein hilft bei der typischen Depression aber nicht. Erste Anzeichen dafür sind, neben Appetit- und Schlaflosigkeit, Hoffnungslosigkeit und finstere Gedanken. Betroffene sollten sich in diesem Fall schnell an ihren Hausarzt wenden oder sich zum Facharzt wie Psychiater oder Neurologen überweisen lassen. Doch gerade dieser Schritt ist für Erkrankte oft nicht machbar. Depressive sind antriebslos und suchen bei sich selbst die Schuld. Deshalb fällt es ihnen schwer, Hilfe zu suchen. Angehörige sollten in so einem Fall für den anderen einen Termin beim Arzt vereinbaren und ihn motivieren, sich Hilfe zu holen.

Bildcredit: APA (dpa/gms/Monique Wüstenhagen)

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