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20/12/2017| So trainiert man das Gedächtnis richtig


"Use it or loose it" - benutz es oder verlier es -, das gilt nicht nur für Muskeln, sondern auch das Gehirn. Unser Gehirn ist von sich aus faul. Es erfordert die regelmäßige Benutzung verschiedener Areale, damit es nicht schrumpft.

Je älter wir werden, desto mehr verliert das Stirnhirn an Funktionsfähigkeit und Volumen, wenn es nicht immer wieder gefordert wird. Das macht sich durch nachlassende Gedächtnisleistung bemerkbar. Neuronale Netzwerke, die im Hirn bestimmte Kontrollfunktionen wie Aufmerksamkeit und Konzentration koordinieren, bauen ab. Dem kann gezieltes Training aber vorbeugen.

Doch nicht jede Art von Denksportaufgaben ist dafür geeignet. Sudoku, Kreuzworträtsel oder Zahlenreihen werden von Experten als eher nutzlos erachtet. Viele Menschen können Kreuzworträtsel mit atemberaubender Geschwindigkeit ausfüllen. Das läuft aber automatisiert ab, Kontrollfunktionen des Hirns werden nicht genutzt. Nur wenn auch das Stirnhirn an einer Übung beteiligt ist, stellt sich ein Trainingseffekt ein. Ob das der Fall ist, erkennt man an der Ermüdung - und die setzt bei einem Kreuzworträtsel nicht ein.

Die Übungen sollten also anspruchsvoller sein. Ein Beispiel: Bekommt man die Zahlenreihe 1 - 7 - 9 - 6 gesagt und soll sie wiederholen, leistet man eine reine Gedächtnisaufgabe. Soll man dagegen nach dem Hören überprüfen, ob die letzte Zahl identisch mit der vorletzten ist, muss man sich etwas überlegen und fordert sein Hirn dadurch mehr. Ein anderes Beispiel: Steht man an einer roten Ampel, geht man in Gedanken den Weg zurück und überlegt sich, wie viele Kreuzungen man passiert hat. Oder man stellt sich vor, wie viele Kreuzungen noch kommen.

Das Gehirn wird aktiviert, wenn man sich jeden Tag neuen geistigen Aufgaben stellt. Wichtig ist, nicht immer dasselbe zu machen, denn Routine macht das Gehirn träge. Zur Abwechslung einen anderen Weg zur Arbeit zu fahren, die Zähne mit der anderen als der gewohnten Hand zu putzen oder einen auf den Kopf gestellten Text zu lesen - all das regt neue Bereiche im Hirn an und macht es leistungsfähiger.

Das Gehirn ist immer dann besonders aktiv, wenn es mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen muss. Hier kommt ein Faktor ins Spiel, der in diesem Zusammenhang auf keinen Fall unterschätzt werden darf - Bewegung. Denn das Gehirn lässt sich besonders gut in Kombination mit Bewegung trainieren. Läuft man zum Beispiel, ist das Gehirn schon auf einem bestimmten Niveau aktiviert. Kommt dazu noch das Gedächtnistraining, werden noch mehr Hirnregionen einbezogen.

Doch auch Bewegung allein wirkt schon positiv auf das Gehirn. Sport aktiviert Stoffwechselvorgänge im Gehirn, die für die Hirnplastizität sowie Lern- und Erinnerungsleistungen entscheidend sind. Sport erhöht also nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Fitness.
 

Bild Credit: APA (dpa)

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