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07/08/2018| Digitale Reizüberflutung - Gefahr für Konzentration und Schlaf

 Ohne Smartphone auskommen, ist für viele Menschen undenkbar. Ständig vibriert und piepst es: Chatnachrichten, E-Mails, News. Vielen fällt das Abschalten schwer. Warum viele Menschen so schlecht vom Smartphone ablassen können, dafür spielen einige Faktoren eine Rolle. Da ist die Ur-Sehnsucht im Menschen, nicht allein sein zu wollen. Wer aus der Kommunikation aussteigt, hat Angst, etwas zu versäumen.

 

Außerdem hat sich das Gehirn an ständige Reize gewöhnt und will immer neue Stimulationen. Und nicht zuletzt gibt es einen Belohnungseffekt, den man unterbewusst bei Antworten im Chat oder Likes auf Facebook empfindet. Das löst Glücksgefühle aus, nach denen man regelrecht süchtig werden kann. Doch der ständige Griff zum Smartphone birgt auch Gefahren. Das Gehirn wird überreizt, man kann nicht mehr abschalten. Sich länger auf eine Tätigkeit zu konzentrieren fällt immer schwerer, weil man ständig unterbrochen wird. Das kann in Stress ausarten und zu Schlafstörungen führen.

 

Studien haben gezeigt, dass blaues Licht von elektronischen Geräten wie Handy, Laptop und auch E-Book-Reader die Ausschüttung des Hormons Melatonin verzögert. Dieses Hormon ist aber wichtig, weil es den Tag-Nacht-Rhythmus regelt. Auch das Einschlafen im Bewusstsein, jederzeit über das Smartphone erreichbar zu sein, kann sich negativ auf die Schlafqualität auswirken. Daher empfehlen Schlafmediziner, spätestens eine halbe Stunde vor dem Schlafen offline zu gehen.

 

Um eine Reizüberflutung zu vermeiden, gilt es die Nutzung von Smartphone, Tablet & Co. bewusster zu gestalten. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Zunächst muss man das Problem überhaupt erst als solches erkennen. Dazu muss die Smartphone-Nutzung reflektiert werden. Das ist fast so wie beim Essen: Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie viele Kalorien sie zu sich nehmen. Ebenso verhält es sich bei der Nutzung digitaler Medien.

 

Im nächsten Schritt geht es ans - zumindest zeitweise - deaktivieren. Jeder hat es selbst in der Hand, ob das Smartphone klingelt oder vibriert. Benachrichtigungen lassen sich deaktivieren, Apps kann man deinstallieren. Oder man stellt das Gerät einfach lautlos, wenn man abschalten will. Es gibt viele Wege, um die Reizüberflutung einzudämmen.

 

Ignorieren ist eine weitere Strategie. Wer immer sofort auf eine Nachricht antworten will, setzt sich selbst unter Druck - und das sorgt für Stress. Dabei ist es meist gar nicht schlimm, wenn man sich mit der Antwort etwas Zeit lässt. Man darf ruhig auch einmal später oder vielleicht gar nicht antworten. Zu dieser Haltung muss man sich anfangs vielleicht zwingen, aber man gewöhnt sich sehr bald daran.

 

Ein weiterer Tipp ist, bewusste Pausen vom Smartphone zu machen und diese als feste Rituale zu etablieren. Stattdessen kann man wieder einmal ein Buch lesen, spazieren gehen oder einfach einmal herumliegen und nichts tun. Müßiggang nannte man das früher, ein Ideal, das unter anderem die Philosophen der Antike pflegten. Und was einem Sokrates und Aristoteles recht war, das sollte auch uns nur billig sein.

 

Bild Credit: APA (dpa)

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