Depression

Wie kommt es zu einer Depression?
Ursache für eine depressive Verstimmung ist fast immer eine Kombination verschiedener Faktoren. Sie können biochemischer, körperlicher oder seelischer Natur sein.
Einer der Gründe ist die biochemische Störung des Gleichgewichts verschiedener Überträgersubstanzen (Neurotransmitter) im Gehirn. So hat man z.B. festgestellt, dass bei depressiven Menschen die Neurotransmitter Serotonin und/oder Noradrenalin in zu geringem Ausmaß vorhanden sind.
Zu den körperlichen Ursachen einer Depression werden die Folgen organischer Veränderungen gerechnet – als Beispiel dafür stehen Depressionen die durch Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Diabetes ausgelöst werden können.
Ursachen seelischer Natur ergeben sich aus der individuell unterschiedlichen seelischen Belastbarkeit der Menschen. Enttäuschungen, Fehlschläge, schwerwiegende Verluste werden unterschiedlich ertragen und können gegebenenfalls, wenn nicht ausreichend verarbeitet, eine der Ursachen einer Depression sein.

Symptome einer Depression
Die Symptome einer Depression können sehr verschieden sein: sie betreffen nämlich nicht immer nur das Gefühlsleben, sondern können sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise äußern. Neben andauernder gedrückter Stimmung, Ängsten, Sorgen oder Verzweiflung können körperliche Leiden wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder schwere Atmung die ersten Anzeichen sein. Neben diesen Schwierigkeiten, eine Depression zu erkennen, werden viele Depressionen nicht erfasst, weil die Betroffenen sich schämen, mit ihren Beschwerden zum Arzt zu gehen.

Seelische Krankheitszeichen
•             Niedergeschlagenheit
Die Stimmung ist herabgesetzt, schwermütig, alles scheint trostlos und ohne Sinn zu sein. Es dominieren Gefühle der Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit und inneren Leere.

•             Angst
Depressive Menschen leiden häufig unter Angstzuständen bis hin zu Panikattacken. Häufig bestehen Trennungs- und Verlustängste, Angst zu versagen, Angst vor der Zukunft oder Angst vor sozialen Kontakten. Aufgaben, die früher mühelos bewältigt wurden, scheinen die Betroffenen nun nicht mehr gewachsen zu sein. Eine Angst vor Verarmung kann sich bis zum Verarmungswahn steigern.

•             Antriebslosigkeit
Die Betroffenen sind kraftlos, ergreifen nicht mehr die Initiative, sie sind rasch erschöpft, manchmal apathisch, Antrieb und Schwung fehlen, jede Bewegung scheint zu viel zu sein. Selbst alltägliche Verrichtungen erfordern größte Anstrengung. Typisch ist das so genannte „Morgentief“.

•             Mangelnde Lebensfreude und Interesselosigkeit
Das Interesse für Dinge und Tätigkeiten, die früher eine Bedeutung hatten, geht verloren. Die Betroffenen vermeiden soziale Kontakte, stellen Hobbys ein, können ihre Arbeit nicht mehr bewältigen und ziehen sich ins Bett zurück. Oft kommt es zu einer völligen Gleichgültigkeit. Depressive Menschen klagen oft über eine „Leere im Kopf". Ein wichtiger Hinweis auf eine Depression ist die Aussage: „Ich habe an nichts mehr Freude". Die Mimik und Gestik ist bei vielen Patienten wie erstarrt, die Stimme leise und monoton.

•             Gefühl der Inneren Leere
Alle Empfindungen scheinen abgestorben zu sein, die Betroffenen fühlen sich leer, ausgebrannt, wie versteinert. Viele sind unfähig, zu trauern oder zu weinen. Depressive Menschen klagen oft über ein „Gefühl der Gefühllosigkeit“ und die Unfähigkeit überhaupt noch Gefühle empfinden zu können („Ich bin wie versteinert").

•             Antriebssteigerung und innere Unruhe
Depressionen können sich auch durch Unruhe, Nervosität, „unter Strom stehen" und Rastlosigkeit (Fachausdruck: Agitiertheit, agitierte Depression) äußern. Einige Patienten laufen unruhig, verzweifelt und wie getrieben hin und her.

•             Pessimismus
Probleme werden überbewertet, es werden nur noch die negativen Seiten gesehen. Die Depressiven sind oft ratlos, verzagt, pessimistisch.

•             Mangelndes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
Depressiv Erkrankte entwickeln in vielen Fällen eine pessimistische Einstellung gegenüber sich selbst, den eigenen Fähigkeiten, dem eigenen Aussehen oder der Zukunft. Für depressive Menschen scheint nicht nur die Umwelt grau in grau, auch das Selbstbewusstsein und die realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten geht verloren. Die Betroffenen leiden unter Minderwertigkeitsgefühlen und einer allgemeinen Unsicherheit, oft verbunden mit starker Grübelneigung.

•             Beeinträchtigtes Zeitgefühl
Depressive haben oft ein gestörtes Zeiterleben, die Zeit scheint nicht zu vergehen, es fehlt das innere Bild für Zeitabläufe.

Körperliche Krankheitszeichen
Depressive Störungen können vielfältige körperliche (somatische) Begleiterscheinungen zeigen. Nicht selten konzentrieren sich die Betroffenen sehr stark auf diese körperlichen Beschwerden und vermuten hinter den Symptomen eine organische Erkrankung.

•             Schlafstörungen
Die häufigsten und oft ersten Symptome einer Depression sind meist Schlafstörungen. Typisch sind Ein- und Durchschlafstörungen, ein insgesamt unruhiger Schlaf und frühes Erwachen mit einer bleiernen Müdigkeit am Tag.

•             Kopfschmerzen
Gelegentlich klagen depressive Menschen über Kopfschmerzen bzw. einen Kopfdruck, der sich wie „ein stählernes Band um den Kopf legt". Die dumpfen drückenden Schmerzen ähneln den Symptomen des Spannungskopfschmerzes.

•             Appetitlosigkeit
Depressive Menschen haben häufig keinen Appetit. Durch die eingeschränkte Nahrungszufuhr ist ein Gewichtsverlust von zehn und mehr Kilogramm innerhalb kürzester Zeit keine Seltenheit, die Betroffenen sehen dadurch oft krank aus. Sowohl der Arzt als auch der Patient konzentrieren sich dann häufig auf die Suche nach der körperlichen Ursache der Appetitlosigkeit. „Ich bekomme keinen Bissen mehr herunter“, ist eine geläufige Aussage der Patienten.

•             Heißhunger
Sehr viel seltener als Appetitlosigkeit kann auch starker Heißhunger ein Hinweis auf eine Depression sein.

•             Magen- und Darmstörungen
Viele Depressive klagen über Magen-Darmbeschwerden: Übelkeit, Aufstoßen, Schmerzen in der Magengrube, Druck- und Völlegefühl werden beschrieben. Außerdem können sowohl Verstopfung als auch Durchfall mit einer Depression in Zusammenhang stehen. Alle Magen-Darmstörungen können sowohl durch die Erkrankung als auch durch Medikamente gegen die Depression (Antidepressiva) hervorgerufen werden.

•             Beschwerden von Herz, Kreislauf und Lunge
Kreislaufstörungen, Schwindel, Stechen oder Druckgefühl in der Herzgegend, Engegefühl in der Brust, Atemnot sind Symptome, über die gelegentlich im Zusammenhang mit einer Depression geklagt wird.

•             Sexualität
Bei fast allen Betroffenen führt die Erkrankung zu einem nachlassenden Interesse an der Sexualität (Libido). Viele Depressive klagen auch über Erektionsstörungen, Trockenheit der Schleimhäute oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

•             Sonstige Beschwerden
Trockene Schleimhäute, starkes oder vermindertes Schwitzen, Kloßgefühl im Hals, Verspannungen, Rücken- und Muskelschmerzen, Störungen der Tränensekretion („tränenlose Trauer") können im Rahmen einer Depression auftreten.

Verlauf einer Depression
>Eine Depression kann sich allmählich entwickeln oder auch akut ausbrechen. Unbehandelt kann sie selten aber doch nach einigen Wochen verschwinden, in den meisten Fällen dauert sie monate- oder sogar jahrelang an. Bei manchen Patienten beschränkt sich die Krankheit auf eine einmalige Episode, oft muss jedoch mit einem wiederholten Auftreten gerechnet werden. Die depressiven Phasen können schnell aufeinander folgen, manchmal liegen dazwischen jedoch auch mehrere beschwerdefreie Jahre. Unbehandelt neigt jedoch ein großer Prozentsatz der Patienten zu einem chronischen Verlauf. Durch entsprechende Medikamente können Rückfälle in hohem Ausmaß verhindert werden. Auch eine Form der Erkrankung, bei der sich depressive Phasen und Phasen heiterer, aufgeregter und angetriebener Verfassung in mehr oder weniger rascher Folge abwechseln ist bekannt: sie wird als „bipolare“ Depression bezeichnet (früher auch als "manisch depressiv" genannt). Durch eine fachgerechte und frühzeitige Behandlung können die Beschwerden deutlich vermindert und die Dauer der depressiven Verstimmung stark verkürzt werden.

Behandlungsmöglichkeiten einer Depression
Vertrauen Sie sich einem Arzt/Ärztin an, wenn Sie Zeichen einer Depression an sich selbst oder einer nahe stehenden Person erkannt zu haben glauben. Leider erhalten durch Unwissenheit und Scham viele depressive Menschen keine adäquate Behandlung. So vielfältig wie die Ursachen sind auch die Behandlungsmöglichkeiten der Depression, wobei aus Studien bekannt ist, dass eine kombinierte Behandlung aus entsprechenden Medikamenten und psychotherapeutischen Methoden die besten Erfolge aufweist.

Zur medikamentösen Behandlung stehen eine Reihe verschiedener Antidepressiva mit unterschiedlichen Wirkungsweisen zur Verfügung. Die Hauptwirkung der Antidepressiva liegt in einer Stimmungsaufhellung, im Idealfall lösen sie die Depression im weiteren Behandlungsverlauf gänzlich auf. Die stimmungsaufhellende Wirkung tritt nicht sofort sondern erst nach etwa 2 bis 3 Wochen ein. Ist der Behandlungserfolg eingetreten, sollte das Medikament für mindestens 6 Monate weiter eingenommen werden, um einen Rückfall zu vermeiden. Die Beendigung der Therapie sollte langsam nach Anordnung des Arztes erfolgen. Patienten mit wiederkehrenden depressiven Phasen wird häufig empfohlen das Medikament zur Vorbeugung noch länger einzunehmen. Antidepressiva machen nicht süchtig, daher ist keine Abhängigkeit bei längerer Einnahme zu befürchten. Bei einem nicht zufriedenstellenden Therapieverlauf kann der Wechsel auf ein anderes Antidepressivum oder die Kombination mehrere Medikamente helfen.
Da eine Depression in den meisten Fällen von weiteren Erkrankungen wie Schlafstörungen und/oder Angstzuständen begleitet wird, sind Antidepressiva, welche neben der stimmungsaufhellenden Wirkung auch diese Begleiterkrankungen positiv beeinflussen für die Therapie besonders vorteilhaft, sodass möglicherweise auf die zusätzliche Einnahme weiterer ergänzender Medikamente verzichtet werden kann.
Moderne Antidepressiva sind richtig eingesetzt sehr gut verträglich. Vermeintliche Nebenwirkungen können auch Symptome der Depression sein. Unerwünschte Begleiterscheinungen können jedoch auftreten, sie sind aber meist vorübergehend d.h. sie werden mit der Fortdauer der Behandlung schwächer oder verschwinden ganz.

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