Neuropathische Schmerzen

Neuropathische Schmerzen können eine starke Belastung für die Betroffenen darstellen und die Lebensqualität massiv beeinträchtigen (v.a.  Schlaf, Arbeits- und Leistungsfähigkeit). Generell fühlen sich zwei Drittel der Betroffenen in ihrem Alltag durch ihre Beschwerden sehr stark eingeschränkt.

Wie entstehen neuropathische Schmerzen?
Neuropathische Schmerzen sind entweder auf eine Schädigung der Nervenstruktur, die normalerweise für die Schmerzempfindung verantwortlich sind, oder auf eine Verletzung von Teilen des Nervensystems, die der Schmerzweiterleitung oder –Verarbeitung dienen (z.B. das Rückenmark oder das Gehirn) zurückzuführen.

Was sind die Symptome neuropathischer Schmerzen?
Häufig werden neuropathische Schmerzen als brennende, bohrende, ziehende oder stechende Schmerzen in Verbindung mit Kribbeln und einem Gefühl wie „Ameisenlaufen“ unter der Haut beschrieben.  Auch Taubheit und Gefühllosigkeit in bestimmten Körperteilen können Anzeichen für eine neuronale Schädigung sein. Missempfindungen auf der Körperoberfläche, die durch Berührung ausgelöst werden, können ebenfalls ein Hinweis auf eine Nervenschädigung sein, z.B. Wahrnehmung eines nicht schmerzhaften Reizes als schmerzhaft und Schmerzauslösung durch leichte Berührung (z.B. Bettdecke).

Wie kann man neuropathische Schmerzen behandeln?
Die Früherkennung und gezielte Behandlung von Polyneuropathien sind wichtig, um eine Chronifizierung der Schmerzen und weitere Komplikationen zu verhindern.
Die Behandlung von neuropathischen Schmerzen basiert auf der Therapie der Grunderkrankung, sofern dies möglich ist (bei angeborenen Formen der Polyneuropathie gibt es keine ursächliche Behandlung).
Das Spektrum nichtmedikamentöser Behandlungsmaßnahmen bei neuropathischen Schmerzen reicht von Physiotherapie, physikalischen Therapien (z.B. Wärme/Kältebehandlungen) bis hin zu speziellen Verfahren, die punktuell bestimmte Nervenbahnen beeinflussen können.
Medikamentös können neuropathische Schmerzen durch eine symptomatische Schmerztherapie behandelt werden. Die Behandlung erfordert die Berücksichtigung von Begleiterkrankungen sowie ein individuell sorgfältiges Abwägen der Wirksamkeit und Nebenwirkungen der verfügbaren Medikamente. Bei vielen Patienten kann heute durch sorgfältige Auswahl der zur Verfügung stehenden Medikamente eine deutliche Schmerzlinderung erzielt werden.
Neuropathische Schmerzen sprechen nur in sehr geringem Maße auf Standardschmerzmittel wie Paracetamol oder nicht steroidale Antiphlogistika an.
Wirksame Substanzen für die Behandlung von neuropathischen Schmerzen (als Basistherapeutika) sind Antikonvulsiva (z.B. Carbamazepin oder Gabapentin), sie sind zentral wirkende, krampflösende bzw. krampfverhindernde Substanzen und  verlangsamen die Aussendung von Nervenimpulsen mit dem Signal „Schmerz“. Somit wird die Schmerzschwelle angehoben.
Auch einige Antidepressiva besitzen schmerzlindernde Wirkung und werden daher häufig bei der Therapie neuropathischer Schmerzen eingesetzt. Reduzieren sich die Schmerzen durch Antikonvulsiva, Antidepressiva oder lokale Betäubungsmittel allein nicht ausreichend, werden sie mit Schmerzmitteln kombiniert oder durch diese ersetzt.  Hier kommen vor allem Opioide zum Einsatz: Sie unterdrücken im Gehirn und Rückenmark die Weiterleitung und Verarbeitung von Schmerzreizen und wirken so schmerzstillend. Opioide stellen ein wichtiges Mittel in der Behandlung neuropathischer Schmerzen dar. Bei der Therapie neuropathischer Schmerzen werden oft zwei, gelegentlich auch drei dieser Basistherapeutika miteinander kombiniert. Die unterschiedlichen Wirkmechanismen können sich gegenseitig ergänzen. Die Effektivität kann somit verbessert und die Dosis der einzelnen Medikamente verringert werden, was die Gefahr von Nebenwirkungen reduziert.

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